Design für Musik – Komitée-Design haut keinen vom Hocker

Komitées sind nicht besonders gut für Designentscheidungen geeignet

Viele Köche verderben den Brei. Hinter dem was ich Komitée-Design nenne, steht eine krampfige auf Nummer-sicher-geh-Haltung. Und sowas rockt nicht. Nur chronische Bedenkenträger haben dabei Ihren großen Moment. Vor allem aber fehlt Entschlossenheit im Konzept und Stringenz in der Umsetzung.

Ein Komitée von Laien, egal wie groß es ist, kann nicht gut designen. Ein Profi kann. Einer. Von mir aus auch Teams, wie Martin/Lennon/McCartney oder Dolce & Gabana. Aber keine Runde von Leuten die sich nie von innen mit Design beschäftigt haben. Sorry. Ja, in Werbeagenturen gibt es den Schulterblick und den Putzfrauentest – aber das ist beides etwas völlig anderes.

Ich bin der Meinung das Groupthinking und Komitée-Design zum Niedergang der Entertainmentbranche beigetragen haben. Also Schuster bleib bei Deinen Leisten! Wer ein Komitée bemüht um seine Entscheidungsunfähigkeit zu kaschieren und dem eigentlichen Designer die „Lösung“ diktiert schießt sich ins Knie. Natürlich ist der Kreative auch demotiviert, aber bis man diese Problematik als heutige Hauptkrux identifiziert hat, versucht man sich nichts anmerken zu lassen um dem Diva-Klischée bloß nicht zu entsprechen. Ein Grund warum man mitunter falsche Entscheidungen umsetzt. Der Kunde ist König – aber kein Art-Director!

Komitée-Design gibt es überall, aber die urheberrechtlich/monetär-bedingte Ausprägung ist im Gegensatz zur weitverbreiteten „Ich kann auch designen, hab auch Photoshop und wollte das eh schon immer mal machen.“-Ego-Operette ein Problem von Aktiengesellschaften und ähnlich strukturierten Unternehmen. Also Firmen die sich nicht über integre Produktreputation, sprich langfristige Renditen, sondern über ihren aktuellen Verkaufswert definieren. Kosten verringern, Katalog auswerten, Risiken auslagern, niedrige Personalqualifikation – schrumpfende Konzerne mit wachsenden Profiten. Ich nehme an, daß jeder der die Zeit hatte bis hier zu lesen gar nicht in den eben genannten Kontexten gebunden ist.

Gestaltungsentscheidungen sind des Designers täglich Brot. Wir fällen ständig Entscheidungen. Genau genommen kann man diese Arbeit nur mit der Tätigkeit des Entscheidungfällens ausfüllen und dabei sehr gut sein. Die üblichen Komitée-Verdächtigen benutzen am häufigsten Worte wie Kunst, künstlerisch und ähnliche nicht wirtschaftskompatible Begriffe wenn‘s um Design gehen soll. Sie sehen das Komitée als Schutzwall vor den spinnerten Künstlern die ihre Produkte ins Verderben reißen würden. Sie fühlen sich am sichersten in ihrem sozialen Gefüge aus Juristen, Wirtschaftswissenschaftlern und Kaufleuten.

„A camel is a horse designed by committee“ bei Wikipedia. Obwohl die negativen Konsequenzen hinlänglich bekannt sind, halten einige Firmen nach wie vor daran fest, weil sie die Austauschbarkeit der Mitarbeiter (real und gefühlt) als Rädchen im Komitéegetriebe schätzen.

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