Design für Musik – Was macht einen guten Designer für Musik aus?

Der Designer braucht Talent, Ehrgeiz, Know-How und einen Computer.

Die verschiedenen Typen von Gestaltern eignen sich für unterschiedliche Musikrichtungen, mehr oder weniger.

Der Innovator schafft Produkte die durch ein Novum in der Gestaltung Aufmerksamkeit auf die Musik lenken sollen. Er kann Webdesign und Cover für Musik mit einer Hörerschaft leidenschaftlicher Betatester oder auch Early Adopters, wie man sie zum Beispiel bei unkommerziellen Electronica Spielarten findet.

Der Hipster – er arbeitet am besten für Hipster. Er macht den heißen Scheiß. Er ist omnipresent mit spirituellen Zentren in Barcelona, Brooklyn und Berlin. Er hat eine Credibility aus, wie immer, einer halbwegs unglücklichen Kindheit und Jugend, die sich in Zeichentrick- und Computerspielreferenzen manifestiert. Der Rest der Menschheit weiß allerdings nicht was das soll. Momentan Garagerock bis Neofolk.

Der Historiker – da er sowohl die Musik als auch das Design in historischem Zusammenhang sieht, ist er für viele Richtungen von Klassik, Jazz, bis zu verschiedenen retro-inspirierten Pop und Rock’n’Roll Projekten ideal. Wie (einigen) Musikern, so ist es auch ihm ein Anliegen bestimmte Elemente oder Aspekte vergangener Zeiten aufleben zu lassen. Er strebt im Grunde immer eine passende, ganzheitliche und historisch stimmige Einheit von Bild und Klang an. Ich zähle mich zu dieser Gruppe.

Subkulturelle Hermetiker findet man in langjährigen, relativ unbehelligt vor sich hin schaffenden Szenen wie Metal und regionale Hiphop Bastionen. Sie haben einen Namen bei den Musikern und beherrschen die visuelle Kommunikation innerhalb der Gruppe perfekt. Bloße Ästhetik kann hier durchaus hinter Respekt zurücktreten.

Den Popstyler erkennt man an werbeagenturartiger Organisation von Atelier und Sprachgebrauch. Er macht nur Aufträge die sich lohnen und kennt dementsprechend die richtigen Produktmanager. In vergangenen Jahren war das Ergebnis nie peinlich, wenn auch etwas technoid Software geprägt. Ob während der Arbeit die zu versorgende Musik konsumiert wird oder etwas anderes kann ich nicht sagen. Das weite Feld des nationalen Pop.

Alle oben genannten gibt es natürlich in jung und in alt. Einen erhöhten designerischen Ehrgeiz findet man mitunter bei beiden Altersgruppen. Einen Ehrgeiz in Richtung Quantität der Aufträge findet man meiner Einschätzung nach eher bei den jüngeren.

Irgendwann auf dem Weg vom Jungspund zum alten Hasen kommt der Punkt an dem man eine Abneigung gegen halbgaren Kram und ungerechfertigte Schnellschüsse entwickelt, dabei eine optimierte Arbeitseffizienz bemerkt und diese mit der bisherigen Job- und Kundenerfahrung koppelt, um tiptop Arbeit abzuliefern. Idealer Weise verfügt der Kreative über gute, bewährte Kontakte zu Fotografen, Stylisten, Druckereien, Programmierern etcetera. Oder steht zumindest nicht auf dem Schlauch um innerhalb einer Woche Kontakte aufzutuen. Ja und dann ist da noch die Mappe. Heute meistens in Form einer kleinen Webseite mit Arbeitsproben. Falls es hier schon Design für Musik zu sehen gibt ist das gut, dann kann man urteilen. Falls nicht, rate ich zur Vorsicht. Ich würde in diesem Fall schauen ob er oder sie durch das Portfolio eine Flexibilität an den Tag legt und generell musische Themen gestalterisch bereichern kann.

Jeder Grafiker hält sich für vielseitig und bei einer umfassenden Ausbildung sollte er das auch sein. Ein Thema wie Musik unterscheidet sich von anderen Aufgaben wie Zeitschriftenlayout oder Firmenerscheinungsbild. Form folgt Funktion ist auch hier gültig. Aber die Funktion ist, neben dem Mitteilen von blanken Informationen, vor allem die Kommunikation von Emotionen, denn die sind der Grund warum Menschen sich Musik öffnen.

Für das Bauhaus, einer anerkannten Designströmung des zwanzigsten Jahrhunderts, galt dass die Seele von Objekten in ihrer geometrischen Grundform liegt. Nun, ich verorte das was ich Seele nennen würde anderswo. Nehmen wir Architektur. Das was den Körper eines Hauses vom Würfel unterscheidet ist das Wesentliche. Fenster die ein spannungreiches Hoch- oder Querformat haben, Stuck der glatte Räume in barocker Formgebung gliedert, Türgriffe die mit der Hand bekannt zu sein scheinen – im Grunde genommen alle Details. Und wie sie zusammen wirken! Details machen Arbeit, auch solche die man nicht bewusst wahrnimmt. Wer kann schon wirklich genau sagen warum er eine Musik oder eine Wohnung mag. Natürlich würde ich sofort in ein Frank Lloyd Wright Haus einziehen, aber er hat auch keine Würfel hingestellt. Der vorhergehende Absatz war nur zur Erläuterung der Bedeutung von musischer Gestaltung für emotionale Kommunikation. Ich hätte auch Autos nehmen können, aber mir ist kein Bauhaus Fahrzeug bekannt.

Design für Musik Cover

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